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Im Juni 2012 erscheint die historische Erzählung von Adolf Mesenberger \"Der Färber von Guben\", die den Bürgeraufstand in Guben vom Jahre 1604 und die damit verbundene Hinrichtung des Färbers Jakob Wunschwitz zum Inhalt hat.
Die Erzählung wird ergänzt durch Aufzeichnungen von Karl Gander über den Bürgeraufstand sowie von Andreas Peter zum Autor der Erzählung, der Familie Wunschwitz sowie der Aktualität des Stoffes.
Das Buch in gebundener Ausgabe umfasst ca. 150 Seiten mit 15 Holzstichen von Paul Thumann und einem Wappen der Familie von Wunschitz.
ISBN 978-3-943331-06-6
Aus den Nachbetrachtungen von Andreas Peter:
Die Erzählung „Der Färber von Guben“ erschien erstmals 1833 in Fortsetzungsfolgen in den „Mitteilungen aus dem Gebiete der Wissenschaft und Kunst“. Damit dürfte es sich um die älteste historische Erzählung handeln, die in Guben spielt, und auch aus der Feder eines Gubeners stammt. Damals wurde allerdings kein Autor angegeben. Auch als sie in späteren Jahren wiederholt in Einzelausgaben aufgelegt wurde, blieb der Verfasser ungenannt, wie in der mir vorliegenden Ausgabe ersichtlich ist. Sie erschien in Guben ohne Jahresangabe, etwa um 1900, mit der Angabe „Verlag und Druck der E. Fechner’schen Buchdruckerei (H. Scholz)“.
So können wir Karl Gander einmal mehr dankbar sein, dass er den Namen des Autors überliefert hat. Karl Adolf Mesenberger wurde am 15. Juni 1798 in der Neißestadt geboren und starb hier an einer chronischen Unterleibskrankheit bereits am 2. November 1835. Seine Eltern waren der Kurfürstlich sächsische Amtsinspektor in Guben Johann Ernst Mesenberger und dessen Frau Dorothea Wilhelmine Friederike, geborene Voß, aus Lübben. Nachdem er das Gymnasium seiner Vaterstadt absolviert hatte, studierte er nacheinander in Leipzig und Halle. Anschließend war er u. a. in Güstrow als Lehrer tätig und kehrte um 1831 nach Guben zurück, wo er am Gymnasium sowie an der Höheren Töchterschule neue Sprachen unterrichtete.
Die Erinnerung an den Bürgeraufstand von 1604 und das Schicksal des Jakob Wunschwitz wurde in Guben durch die Jahrhunderte hindurch wach gehalten. Neben den von Karl Gander oben bereits erwähnten Beispielen sei die erste Gubener Stadtgeschichte von Johann Christian Loocke aus dem Jahre 1803 genannt. Als im Sommer 1886 in der Berliner Zeitschrift „Der Bär“ eine Erzählung über den Gubener Bürgeraufstand von 1604 erschien, meldete sich ein ungenannter kundiger Bürger der Neißestadt bei der „Gubener Zeitung“ und wies im sogenannten „Briefkasten“ auf diese Veröffentlichung hin. Gleichzeitig monierte er, dass der Aufstand nicht 1618 sondern 1604 stattgefunden hatte und der Vorname des Wunschwitz Jacob und nicht Samuel war.
Karl Gander übernahm die Ausführungen Loockes später in den beiden Ausgabe seiner „Niederlausitzer Volkssagen vornehmlich aus dem Stadt- und Landkreis Guben“ 1894 und 1896 unter der Nummer 312.
Für erwähnenswert halte ich auch die Benennung einer Gasse im alten Gubener Stadtzentrum (heute Gubin) Anfang Februar 1911 mit dem Namen „Wunschwitz-Gasse“.
Selbst in Karl Ganders Stadt- und Wanderführer von Jahre 1914 findet sich auf den Seiten 27 und 28 ein Hinweis auf Jakob Wunschwitz.
Für die neuere Zeit sei an einen Beitrag von Rudi Ringmann im „Gubener Heimatkalender“ von 1959 auf den Seiten 43 – 49 unter dem Titel „Der Färber von Guben. Zum 355. Todestag des Schwarzfärbers Jacob Wunschwitz. Ein Zeitgemälde“ erinnert. Er wurde im „Gubener Heimatkalender“ des Jahres 1985 nochmals, „geringfügig gekürzt“, auf den Seiten 65 bis 69 wiedergegeben. Die Erzählung von Adolf Mesenberger findet darin allerdings keinerlei Erwähnung, ebenso wie in den beiden Ausgaben des Gubener Heimatlexikons von 1971 und 2002. Doch zumindest wurden in der neueren Ausgabe einige Fehler der Ausgabe von 1971, die besagten Bürgeraufstand und den Hingerichteten betreffen, korrigiert.
Der ungarische Schriftsteller Lászlό Márton verarbeitete 1999 den historischen Stoff in seinem Roman „Die wahre Geschichte des Jacob Wunschwitz“. Er fand bei der Literaturkritik eine positive Aufnahme und erschien 2002 in zweiter Auflage im Deutschen Taschenbuchverlag.
Adolf Mesenberger gestaltet die Handlung seiner Erzählung frei, dabei sehr lebensnah und anschaulich, ja spannend. Er geht, ganz anders als Loocke 1803, von der Unschuld des Jakob Wunschwitz aus und stellt ihn im Konflikt zwischen Gubener Magistrat und Bürgerschaft beschwichtigend und vermittelnd dar. Auch die meisten Namen der auftretenden Personen sind frei erfunden, wie ein Vergleich mit Ganders obigen Ausführungen zeigt, oder sie treten uns als historische Personen in einer anderen Zeit entgegen. Dies trifft z. B. für die Pastoren Melchior Hoffmann und Ernst Kolbe zu. Zwar sind beide als Pfarrer in Guben verbürgt, doch ersterer für die Jahre 1614 – 1631 und Ernst Kolbe als sein Nachfolger von 1632 – 1650. Philipp Andreae war indessen tatsächlich in der Zeit des Bürgeraufstandes, genauer gesagt von 1601 – 1613, als Oberpfarrer in Guben tätig. Auch der Landvogt Anselm von Promnitz ist eine reale historische Persönlichkeit, über die an anderer Stelle eingehend berichtet wird.
Historisch überliefert ist zudem die Herberge zum Schwarzen Bär. Sie befand sich am Zindelplatz Nr. 19 (heute Gubin) und wird als „Gubens ältester Gasthof“ bezeichnet. August Haselbach hatte ihn am 24. November 1888 zusammen mit der damals darin bestehenden Bärbrauerei gekauft. Von ihm ging der Gasthof in den Besitz seines Bruders Hermann Haselbach über, der dort seine „Erste Gubener Dampfbrauerei“ einrichtete. Unter den verschiedenen, dort gebrauten Biersorten gab es auch ein „Haselbach Bär-Bräu hell“.
Der alte Gasthof wurde 1899/1900 abgerissen und an gleicher Stelle entstand im Jahre 1900 ein Neubau, der den überlieferten Namen weiter führte. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wechselten die Pächter. Auch änderte sich später die Bezeichnung Gasthof in Hotel. Das Gubener Einwohnerbuch von 1936 nennt auf Seite 441 das Hotel „Schwarzer Bär“ (Wilhelm Augustin) Tel.: 2308. Erst die Kämpfe um Guben vom Februar bis April 1945 und die nachfolgenden großflächigen Abrissarbeiten bereiteten diesem altehrwürdigen Haus ein Ende.
Ebenso trifft es zu, dass sich die Witwe des Jakob Wunschwitz schriftlich an den Kaiser wandte, in der Hoffnung, von ihm Genugtuung für das tödliche Unrecht zu erfahren, das ihr Mann erleiden musste. Dass dies tatsächlich geschah, wirkt wie ein Wunder! Die Kunde davon reicht bis in die Gegenwart: Karl Gander erwähnt die Nepomukbrücke in Prag, die den Namen eines Wunschwitz trägt. Er meint damit die berühmte Karlsbrücke, auf der sich eine von Matthias von Wunschwitz gestiftete Statue des Heiligen Nepomuk befindet, die noch heute gern von Touristen besucht wird.
Der Heilige Nepomuk hieß eigentlich Johann Nepŏmuk (Johann aus Pomuk). Er wurde 1330 in Pomuk geboren und schlug die priesterliche Laufbahn ein. 1381 wurde er Domherr und später Generalvikar der Kirche St. Veit in Prag. Als der Prager Erzbischof Johann von Jenstein mit König Wenzel in Streit geriet, unterstützte Johann seinen Erzbischof und wurde deshalb am 20. März 1393 auf Befehl König Wenzels in der Moldau ertränkt. Im 15. Jahrhundert verbreitete sich die Legende, wonach Johann Nepomuk Beichtvater der Königin war. Da er auch dem König gegenüber das Beichtgeheimnis wahrte und diesem nicht verriet, was die Königin ihm gebeichtet hatte, soll er auf dessen Befehl am 23. April 1383 von der Karlsbrücke in die Moldau gestürzt worden sein. Sein Grab befindet sich im Prager Veitsdom. Johann Nepomuk wurde 1729 heilig gesprochen. Sein Festtag ist der 16. Mai.
Die Statue des Heiligen Nepomuk war am 31. August 1683 auf der Karlsbrücke aufgestellt worden. Der Hintergrund für die Stiftung bestand in einer lebensgefährlichen Situation, die Matthias von Wunschwitz selbst verschuldet hatte. Es heißt, er hat „in den königlichen Gärten von Paris einen wertvollen Pfau getötet“ und sollte dafür selbst das Leben verlieren. Doch er kam frei und stiftete aus Dankbarkeit besagte Statue.
Der Stifter selbst wurde im Februar 1632 in Prag geboren und dürfte demnach ein Enkel des Jakob Wunschwitz sein. „Mit 23 Jahren war er Advokat, 1660 wurde er zum kaiserlichen Prokurator ernannt. 1661 wurde er in den böhmischen Ritterstand aufgenommen und 1675 in den böhmischen Herrenstand. Er war kaiserlicher Rat in Böhmen und Hauptmann des Pilsener Kreises. Kurz vor seinem Tode, am 10. März 1695, wurde er zum Reichshofrat ernannt und zum Gesandten in Polen bestimmt. Er war verheiratet mit Anna Feliciana Pachta von Rajov, geb. am 20. März 1648 in Prag.“
Die Hinrichtung des Jakob Wunschwitz steht als (kommunal)politisch motivierter Justizmord in der Gubener Geschichte einzig da. Hinrichtungen indes hat es mehrere gegeben. Ist es nicht seltsam, dass 1933 die letzte Hinrichtung in Guben auf dem Innenhof des damaligen Gerichtsgefängnisses nur wenige Meter von der Stelle entfernt stattfand, an der Jakob Wunschwitz 1604 den Tod erlitt?
Offensichtliche Schreibfehler im Text der Erzählung wurden stillschweigend korrigiert und auch das tatsächliche Jahr der geschilderten Ereignisse eingefügt. Mesenberger hatte die Handlung in das Jahr 1617 verlegt. Die Rechtschreibung beließ ich weitgehend in der damaligen Form, hielt es allerdings für angemessen, Satzbau und Grammatik heutigen Lesegewohnheiten behutsam anzupassen. Die Buchillustrationen wurden zusätzlich in den Text der Erzählung eingefügt und stammen von dem akademischen Kunstmaler Paul Thumann (1834 – 1908) aus Groß Schacksdorf bei Forst (Lausitz).
Der Schriftstellerin Rosemarie Schuder sowie Uschi Schulz und Hannelore Adam danke herzlich ich für ihre wichtigen Anregungen und Hinweise!
Auch wenn die Handlung dieser Erzählung inzwischen mehr als 400 Jahre zurückliegt, gehören die darin dargestellten Umstände und Konflikte leider nicht der Vergangenheit an: Die Regierenden geben sich selbstherrlich, während die Abgaben der Bürger erhöht sowie die Einwände und Forderungen ihrer gewählten Vertreter abgewiesen werden. Neid, Missgunst und undurchsichtige Machenschaften erschweren ein vertrauensvolles Miteinander – im Kleinen wie im Großen.
Das historische Beispiel von 1604 zeigt: Frieden ernährt, Unfrieden zerstört! – damals wie heute.
Preis: 14,95 Euro
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